Sonntag, April 08, 2007

An die Liebe

Dieser Text ist traurig und ernst und es ist nicht meine Absicht das
schöne Wetter und den kommenden Frühling mies zu machen. Ich freue
mich auf den Frühling und auf den Sommer. Nur am Anfang des Jahres, da
wird es immer etwas trauriger für mich. Denn am 11. April hätte er
Geburtstag.

Genauso wie in der tiefsten Zufriedenheit spürt man in der tiefsten
Trauer: die Liebe . Obwohl ich nie eine enge Verbindung zu ihm hatte,
merke ich jetzt in diesen Tagen, wie sehr ich ihn geliebt habe. Ich
schreibe über dieses Thema, weil es genauso dazu gehört wie die
Freude, die politischen Diskusionen oder der Blödsinn, den man
manchmal postet. Und mir geht es gut. Macht euch keine Sorgen. Aber es
tut mir einfach gut, zu dieser Zeit über dieses Thema zu schreiben.
Freunde die mich und diese Geschichte kennen, mögen bitte nicht
denken, dass ich deprimiert in der Ecke liege. Das ist nicht mehr.
Gerade deshalb möchte ich alles noch einmal Revue passieren lassen.

Es war im Februar 1999. Ich hatte gerade meine Prüfung zur
Hotelfachfrau bestanden, als für mich die Welt stehen blieb. Ich weiss
nicht genau, wann der schwierigste Tag in meinem Leben war, aber ich
glaube es war eine oder zwei Wochen danach. In meinem alten Tagebuch
fände ich das Datum bestimmt, aber das will ich jetzt nicht. Heute
schreibe ich nach meinem Empfinden, nicht nach Daten.

Ich stand am Eingang unseres Gartens. Meine Tante fuhr mit ihrem
Fahrer vor, den sie sich für die ständigen Fahrten ins Krankenhaus
leistete. Ständig Taxi war einfach zu teuer, da ist ein Chaffeur auf
Dauer billiger. Die Beiden fuhren also nun vor unsere Gartenpforte.
Ich stieg wie benebelt ein. Der Friedhof mit der kleinen Kapelle liegt
fünf Straßen hinter meinem Elternhaus. Dort fuhren wir hin.

Wir stiegen aus. Ich hielt die eine rote Rose zitternd in der Hand.
Ich hatte Angst. Angst vor der fremden Verwandschaft und Angst vor dem
Mitleid. Alle guckten mich an, standen schon vor der Kapelle. Meine
Mutter war nicht mitgekommen und ich bin ihr nicht böse. Meine
Freundin Ioanna war da. Sie drückte mich und ich klammerte mich an
sie. Sie wollte sich in die letzte Reihe setzen und sagte mir immer
wieder, dass sie für mich da ist. Sie hat die ganzen Jahre miterlebt.
Nun kenne ich sie schon fast 20 Jahre. Es war gut, dass sie da war.

Ich aber musste mich in die erste Reihe setzen, meine Tante und mein
Onkel neben mir. Wer sonst noch da neben mir saß, weiss ich nicht. Ich
habe kaum Erinnerungen. Das nächste was ich wieder weiß, ist, dass auf
einmal der Sarg dicht an mir vorbei rausgetragen wurde. Ich musste als
Erste hinterher gehen. Und neben der unfassbaren Trauer war eine
Erleichterung zu spüren. Endlich war der jahrelange Horror vorbei.

Und seit diesem Tag kommen jedes Jahr unbewusst komische Gefühle hoch.
Es ist entweder am 20. Februar oder um den 11. April.

Ich frage mich wirklich, ob er mich sehen kann. Ob er stolz auf mich
ist und ob er mir Kraft schickt.

Gestern, als ich zu meinem Elternhaus fuhr und nach dem Rechten sah, kam die Nachbarin raus. Sie kennt mich schon als Kugel im Bauch. Wir fingen an über viele Sachen zu reden und aufeinmal sagte sie: S. ich muss ganz oft an Papa denken. Er war ein fleißger Mensch." Und das erste Mal konnte ich ganz überzeugt sagen: "Ich weiss, ich habe ihm verziehen."

Kommentare:

rene hat gesagt…

Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll... Mein bewegendstes Begräbnis war das eines Arbeitskollegen, der sich umgebracht hat... sowas zehrt immer an einem... Du schaffst das schon...

La Fille hat gesagt…

man trauert sieben mal bis es besser wird. es ist schon besser. es verändert sich gerade nur und das ist schön.

danke an dich

sollte ich jetzt rosenblatt sagen?