Mittwoch, Mai 16, 2007

Es lebe der Sport!

Ich schreibe doch noch was.

Als ich vor knapp drei Monaten meine Umschulung begann traf mich der Schlag : Schulsport. Ihr kennt die Geschichte. Nun werde ich regelmäßig mit Sportarten gequält, die mich so gar nicht interessieren oder in denen ich einfach nicht glänzen kann. Auftrag: Jeder Berufsschüler soll eine 90minütige Sportstunde gestalten. Für mich stand sofort fest: YOGA.

Der Termin wurde gesetzt und meine Mitstreiter waren größtenteils skeptisch. Die Mädels eher neugierig und die Jungs machten natürlich Sprüche wie:

Das ist doch kein Sport!
Ich habe keine Gymnastikhose.
Mädchenkram.
So ein Blödsinn.

Mir war das egal. Da mussten sie jetzt durch. Schließlich hatte ich mich auch mit Judo und Handball befassen müssen. Wo ich feststellt habe, dass ich gar nicht mal so einen zarten Wurf habe, und der Sprung vor dem Tor machte mir sogar sehr viel Spaß.
Am Montag war es nun soweit. Frau S. übernahm das Kommando. Die 17 - 23 jährigen Jungs spielten schon mit dem Ball als ich in die Halle kam. "So jeder nimmt sich hier mal eine Matte", forderte ich sie auf. Alle hörten und formten automatisch einen netten Kreis. Ich rollte meine eigene Yogamatte (für mich die ollen weichen Gammelmatten bitte nicht) und die ersten erfreuten sich daran. Mein Lehrer setzte gerade zu der Frage "Hat denn von ihnen schon jemand mal Yo...". "Herr O. ich mache heute den Unterricht",fuhr ich schnell dazwischen. So, nun saßen alle artig auf ihren Matten und ich fing an. Ich erzählte meine Geschichte. Ich erzählte warum ich vor 7 Jahren mit dem Yoga anfing. Erklärte kurz den Ursprung, die gesundheitliche Wirkung und die Kostenübernahmen der Krankenkassen. Ging auf die sechs verschiedenen Yogaarten ein und landete schließlich beim Hatha Yoga der westlichen Welt. Beschrieb die Eigenverantwort und das systematische Training.

Erklärte was Asanas und Pranayama sind, und die Wirkung von einer 10-15 minütigen Tiefenentspannung. Nach dem theoretischen Teil folgte die erste Übung. Aufrecht sitzen und durch das Auflegen der Hände auf die Schulter, Brust und den Bauch, sollte jeder seine Atmung beobachten. Jeder antwortete mit einer Brustatmung. Alle hatten eine Kurzatmung. Das war mir klar. Eine richtige tiefe Atmung geht ja bis zum Bauch. Als nächstes sollten sich alle auf den Rücken legen und fünfmal tief in den Bauch ein- und ausatmen. Es folgten alle meiner Aufforderung. Es wurde still. Ich gucke nervös an die Decke. Erzählte aber weiter über die Atmung und Entspannung. Es folgten nun einige leichte Asanas (Yoga-Stellungen) im Liegen und Sitzen. Dann ging es langsam zum Stehen über. Immer wieder machte ich die Mitschüler auf ihre Atmung aufmerksam. Da kamen dann die ersten Bemerkungen der männlichsten aller Männer "Uh, dass ist aber ganz schön anstrengend immer bis in den Bauch zu atmen, und dann noch die Bewegungen". Am liebsten hätte ich natürlich mit "Na Kleiner, habe ich doch gesagt" geantwortet, aber stattdessen lächelt ich ihn verständnisvoll an und ärgerte mich insgeheim einweinig keine Wette abgeschlossen zu haben. Die letzten Übungen waren dann alle im Stehen. Gleichgewichtsgeschichten und Dehnungen für die Wirbelsäule, Hüfte und Beine. Ich hörte von meiner linken Seite nur noch ein "Aua". Während des gesamten Unterrichts ging ich selbstverständlich zu jedem und korrigierte die einzelnen Haltungen. Denn wenn ich sagte "Arme auf Schulterhöhe", waren sie meistens auf Brusthöhe abgesunken.

Am Ende der Stunde erzählte ich wie man eine tatsächliche Yogastunde beendet und bedankte mich bei meinen Kollegen. Plötzlich hörte ich wieder die Stimme links neben mir "Alter eh, kann das sein das ich jetzt schon mehr atme?" Innerlich am Lachen bestätigte ich ihm diese Wirkung.Er verließ total verstört die Halle mit der neue Erkenntnis, was so ein bisschen Atmen ausmachen kann. Dann kamen die nächsten zwei männlichen Skeptiker auf mich zu, und ich bekam das schönste Kompliment seit langem, denn dieses habe ich mir selber erarbeitet.

"S., du hast uns überzeugt und DAS soll schon was heißen!"

Ich machte einen Knicks und ging in die Umkleide. Umgezogen verließ ich den Raum um anschließend mit meinem Lehrer die Zensur zu besprechen. Sehr gut gemacht. Also gehe ich von einer 1 aus. Und außerdem fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte sowas wirklich zu machen. Ich hätte so eine klare, laute, selbstbewusste Stimme für eine Frau. Und ich hätte meine Überzeugung gut rübergebracht, dass hätte man gespürt.

Yeah!

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