Montag, Mai 07, 2007

Feigheit

Achtung, nun kommt wieder ein typischer Ballsaaltext:

Wenn man Stück für Stück aufwacht gewinnt man vielleicht eine Chance für sich selber.

Ich war ungefähr 18 Jahre alt. Und ich verkroch mich in die hinterste Ecke der Welt. Meiner Welt. Ich übernahm keine Verantwortung. Ich saß bei keiner OP im Krankenhaus und schon gar nicht danach an seinem Bett. Ich habe ihn einfach alleine gelassen. Nur seine Geschwister waren da. Sein Kind nicht. Ich war einfach feige. Egoistisch. Ich weiss nicht, ob ich überhaupt etwas für ihn getan habe. Briefe geschrieben, liebe Worte gesagt habe. Ich habe ihm einfach nicht deutlich gemacht, dass er kämpfen soll. Ich stand alleine da. Keine Geschwister, keine Frau an seiner Seite. Und sein einziges Kind ist zu schwach und feige, um 100 % für ihn da zu sein. Er schlief ruhig in den Armen eines anderen Familienmitgliedes ein. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Eine Woche zuvor. Und ich saß im Sessel gegenüber. Bin nicht einmal hingegangen und habe seine Hand gehalten.

Ein Jahr später. Ich komme nach Hause. Sie ist nicht da. Sie war seit dem Arztbesuch nicht zu Hause. Alles so wie sie es verlassen hatte. Ich mache mir Sorgen. Das Telefon klingelt und das Krankenhaus meldet sich. Voller Panik fahre ich mit meinen Pateneltern zu ihr. Sie ist völlig weg. Ganz klein und hilflos liegt sie in ihrem Bett. Ich habe Angst. Es ist doch erst ein Jahr her, dass er gegangen ist. Ist das die Strafe für meine Feigheit? Doch ich mache nichts anders. Ich gehe sie nur einmal im Krankenhaus besuchen. Es stand wirklich nicht gut um sie. Wieder zu Hause mache ich nur das nötigste. Mache ihr etwas zu essen .
Sie hat es geschafft. Schon das dritte Mal. Das erste Mal bei meiner Geburt, das zweite Mal als ich 2 Jahre alt war und nun vor 7 Jahren.

Aber wie lange bekomme ich noch eine Chance? Jedes Mal weglaufen und egoistisch durch die Welt zu laufen. Aus eigenem Schmerz für andere Menschen nicht anwesend zu sein und vor allem mit aller Liebe für sie da zu sein.

Und dann trifft man auf diesem Weg Menschen, die einem das wahre Leben zeigen. Die mir plötzlich den Spiegel vors Gesicht halten. Sie nehmen mir die Angst vor der Vergangenheit und machen mir unbewusst Mut die Vergangenheit noch einmal anzugucken um loszulassen.
Diese Menschen bedeuten mir soviel und sie wissen nicht von ihrer Wirkung. Am Samstag hatte ich so ein wunderbares Erlebnis, dass mir das Herz ein Stück für mich selber geöffnet hat.

1 Kommentar:

rene hat gesagt…

>nehmen mir die Angst vor der Vergangenheit und machen mir unbewusst Mut die Vergangenheit noch einmal anzugucken um loszulassen.

Gut so. Die Vergangenheit macht uns zu dem, was wir sind. Aber man sollte deshalb nicht ständig darin leben. Leben heisst nämlich, weiterzugehen.

Du machst das alles richig so, auch wenn es manchmal weh tut!