Freitag, Juli 06, 2007

Es war einmal eine Prüfung

Ich liebe Freitagabend und Kerner am Herd. Heute ist die Sendung besonders spannend, denn die Köche bekommen unbekannte Zutaten und müssen innerhalb kurzer Zeit etwas leckeres zaubern. Herr Schuhbeck erinnerte sich sofort an seine Meisterprüfung, und ich sofort an meine praktische Hotelfachprüfung. Dazu muss man wissen, dass die Köche und Hotelfachleute gemeinsam geprüft werden. Die Köche bekommen wie in der Sendung Zutaten vorgesetzt und müssen ein genießbares und dekoratives Menü zaubern. Wir, im Fachjargon die "Hofas", müssen das Menü fachgerecht dem Gast vorlegen. Ja, richtig: VORLEGEN! Kennt das eigentlich noch irgendein normales Restaurant? Das wäre mal wieder ein Traum. Vorlegen lassen. Vorlegen bedeutet, dass das komplette Gericht von einer Platte dem Gast am Platz auf dem Teller vorgelegt wird.

Jetzt kommt die Problematik. Die Hofas wissen nicht, was die Köche kochen und wie sie es anrichten. Das bedeutete für mich enormer Druck, denn ich hasste die Arbeit im Restaurant. Für mich stand schon früh fest, dass ich an die Rezeption und im Salesbereich arbeiten wollte.
Mir wurde regelmäßig schwindelig wenn ich im Dreier-Gang(drei Teller auf einem Arm) die vier Teller zum Tisch befördern musste. Vorallem wenn es die großen und schweren Hauptgangteller waren, die wir im normalen Haushalt nur selten benutzen.
Oder Eisbecher auf Mittelteller (Umgangssprachlich: Kuchenteller).

Per Losnummer wurde uns dann ein Koch zugeteilt. Wie im richtigen Restaurant musste wir uns mit ihm absprechen. Ich habe weder eine Ahnung wie dieser Mensch aussah, noch wie er hieß. Wusste ich es überhaupt einmal? Ich glaube nicht. Prüfungsstressadrenalin eben. Hauptsache die praktische Prüfung ist endlich vorbei. Am Pass (dort stellt der Koch das fertige Gericht dem Servicepersonal zum servieren hin) wurden die ersten Absprachen getroffen. Um 10 Uhr morgens musste ich also eine Hochzeitssuppe, Braten und Gemüse der Saison mit Herzoginkartoffeln, und zum Dessert irgendeine Quarkspeise servieren. Lecker! Also eher im negativem Sinne. Mir war übel. Flau im Magen. Morgens 10 Uhr in Deutschland und Bratenduft. Herrlich! Ich betete das der Herr am Herd kein zu zartes Fleisch kochte, denn so würde es mir zwischen dem Vorlegebesteck (Gabel und Löffel) auseinanderfallen. Außerdem wünschte ich mir kein Dessert im Eisbecher oder hohen Gläsern. Am besten noch Champagnerflöten.

Dann musste ich mich mit dem Problem Nummer 2 beschäftigen. Die Herrschaften an meinem Tisch, 4 an der Zahl, wollten morgens um 10.30 Uhr Rotwein trinken. Prost. Ich hatte kein Kellnerbesteck dabei. Schwerer Fehler. Ein guter Kellner hat immer folgendes am Körper: Korkenscheiben (leider werden oft hässliche Bierdeckel unter die Tischbeine geklemmt), Pflaster, Nähzeug, Kellnerbörse, Kugelschreiber, Kellnerblock und eben das Kellnerbesteck. Habe ich etwas vergessen? Tja, ich hatte das Kellnerbesteck nicht dabei. Aber die Prüfer stehen auch immer nett am Getränkebufett und kontrollieren eben diese Dinge. Voller Panik flüsterte ich einem Mitprüfling mein Problem zu. Und zack hatte ich eine geöffnete Flasche Rotwein in der Hand, und die Prüfer waren gerade in diesem Moment komplett mit anderen Dingen beschäftigt. Na sowas.

Kommen wir zum Schluss. Der Koch hat alles auf flachen Tellern angerichtet und das Fleisch war eher zäh. Für ihn schlecht, für mich gut. Ich habe die praktische Prüfung mit 2 bestanden, und war doch eigentlich kein Restaurantabteilungsliebhaber.
Mit Hilfe kann man alles schaffen, und nun habe ich fast die ganze Sendung verpasst.

1 Kommentar:

madamesauvage hat gesagt…

Während meiner Zeit als Aushilfe in der Gastronomie musste ich mich mit ähnlichen Dingen rumschlagen. Erschreckend, wie stark ich mich gerade wieder erkenne!
Die Teller waren bei mir gar nicht das Problem. Doch! Einmal ist mir von den dreien auf dem einen Arm, der oberste nach links weggekippt und die drapierte Fischvorspeise landete auf de, Fußboden.
Getränke waren für mich schlimmer. Als Linkshänder trug ich das Tablett zu Anfang noch mit der rechten Hand. Die Gläser waren so schlecht ausbalanciert, dass mir das volle Hefeweizenglas nach rechts wegkippte und meinem Gast, einer alten, giftigen Oma, schön über den Rücken. Ui, war das unangenehm...