Montag, Juli 16, 2007

Made In Germany Und Ich

Die Berufsschule bringt mich immer wieder zum Lachen. Ich hatte am Tag zuvor die Ausstellung besucht und hatte mir einen Kurzführer gekauft. Im Unterricht las ich dieses Heft. Mein Lehrer fragte mich, wie die Ausstellung sei, und fragte etwas provokativ den Rest der Klasse, ob sie denn auch schon dort gewesen wären. Alle buhten die Kunst aus. Das hat mich etwas erschrocken, denn nicht einer von den 20 anderen Menschen interessiert sich in irgendeiner Weise für Kunst oder Literatur. So nun aber zu mir und meinem kleinen Ausflug.

Am vorletzten Wochenende besuchte ich die Ausstellung "Made in Germany". Diese handelt nicht um die deutsche Kunst oder um das Deutsche in der Kunst, sondern um die Bedingungen und Möglichkeiten künstlerischer Arbeit in Deutschland. Herr Bundespräsident Horst Köhler hat die Schirmherrschaft übernommen, und für mich ist es eine Freude so etwas in Hannover sehen zu können. Die Ausstellung umfasst wirklich alle Medien von Malerei, Skulptur und Zeichnung über Fotografie, Video und Konzeptkunst. 52 Künstler zwischen 1961 und 1979 geboren.

Erste Station
Kestnergesellschaft



Ich war aufgeregt. Seit Jahren mal wieder eine Ausstellung besucht, und DAS noch alleine. Die Kunst und meine Emotionen ganz alleine. Rückblickend kann ich jetzt sagen, dass mich die Künstler dort nicht wirklich überzeugt haben. Ich spürte jedoch eine gewisse Atmosphäre. Ich fühlte mich bedrängt. Ein Labyrinth aus weißen Wänden, und an diesen Wänden hängen für den Künstler "Ungeklärte Fälle". Ich habe kaum Luft bekommen. Das Labyrinth fühlte sich fünfmal länger an, als es tatsächlich war. Haegue Yang begeisterte mich. Wie sie angetrunken ihre Stimme aufgenommen hat, und über ihre eigene Kunst referiert. Aber alles was mit Gefühl zu tun hat gefällt mir eben.

Zweite Station
Sprengel Museum Hannover






Dort erwartete mich erstmal eine wunderbare Toilettenspülung aus den 70zigern, die wir damals auch in der Gästetoilette unseres Hauses hatten.
Im Sprengel Museum begeisterten mich zwei Künstler. Tobias Zielony
mit seinen wunderbaren Fotos sozialer Randgruppen. Einfache Fotos von Jugendlichen an einer Tankstelle oder einem Hauseingang. Auch ich lebte in meiner Jugend eine zeitlang so. Ich konnte es nicht ertragen mit Freunden unterwegs zu sein, die ein intaktes Elternhaus hatten. Ich gab mich lieber mit Menschen ab, denen es noch schlechter ging als mir. Ich war kein Straßenkind, aber eben auch nicht gern zu Hause. Ich weiss genau wie diese Jugendlichen fühlen.
Björn Melhus "Emotion Fields #1- The Odd Couple, German, setzt sich aus 16 Monitoren und dem bekanntesten Junggesellenpaar der Filmgeschichte- Oscar und Felix aus dem Film "Ein seltsames Paar" zusammen. Es wird ein Spiel aus Farben und Tönen gezeigt. Das Rot ist den Männer- und das Gelb den Frauenstimmen des Filmes zugeordnet. Der Raum ist natürlich abgedunkelt. War nach einer Zeit ziemlich unheimlich, denn Melhus hat die Tonspur so weit reduziert, dass Sprache oder Worte nicht mehr kodiert werden können.

Dritte und Letzte Station
Kunstverein


Gefiel mir sehr gut, und durch die Unterhaltung mit einer Ausstellungsführenden war ich nicht alleine mit meiner Einschätzung. Also bin ich wieder die breite Masse. Ist man wenigstens nie alleine.

Julian Rosefeldt, Candice Breitz ließen mich fast jeweils eine halbe Stunde verweilen und beobachten.


Made in Germany
25.Mai - 26.August 2007
Sprengel Museum Hannover
Kunstverein Hannover
kestnergesellschaft

Kommentare:

Anrufe ohne Meldung hat gesagt…

das würde mir auch schmecken

La Fille hat gesagt…

bis zum 26.8. kann man sie ja noch besuchen ;)