Donnerstag, Oktober 11, 2007

Gedanken zur Mittagspause

Da läuft man so los, weil man die Mittagspause mal nicht im Büro verbringen möchte, und schon kommen 83475849 Gedanken in einem auf. Ich flaniere also die Georgsstraße entlang, und gucke in die teuren Schaufenster. Gehe in die Geschäfte, und passe heute so gar nicht auf diese Meile mit meinem grünen Parker und dem lockeren Schal. In jedem Geschäft frage ich mich, ob ich die Gegenstände, die ich für schön und im ersten Moment als habenswert empfinden auch wirklich brauchen würde. Und ich sage mir: Ich brauche nichts von diesen Dingen! Ich beobachte diese Einheitsfrauen, die mal wieder ihre Stiefel über der Hose tragen, ein kleines Handtäschchen um das Handgelenk, und mit ihrem schweren Parfümeriekettenduft meine Geruchsnerven, die lieber die Herbstluft riechen würden,betäuben. Das ist mir an einigen Wochenenden bei uns im Wald schon aufgefallen. Ich gehe in den Wald (besonders im Herbst), um den Wandel der Natur zu erleben. Ich liebe den Duft des feuchten Laubes und Moos. Dieses Jahr habe ich sogar Blätter gesammelt. Ich radel durch den Wald und genieße die Lichtspiele zwischen den Bäumen, und hole tief Luft, und muss husten. Da kommen sie in Scharen auf ihren Rädern oder auch als Fußgänger. Ich habe nichts gegen hübschgemachte Menschen, aber müssen die sich in der Natur ständig so zudieseln. Ich bin fast der Meinung, dass sich manche Menschen einfach nicht finden, weil sie sich nicht riechen können, denn sie riechen nur nach unnatürlichen Düften.

Ich bin immer noch auf der Georgstraße. Hier auf der teuren Geschäftsmeile hetzen ständig Männer in Anzügen an mir vorbei. Sie telefonieren mit ihrem Super-Multi-Funktionshandy und gucken dabei so wichtig, dass sie natürlich erwarten, dass ich aus dem Weg gehe, nicht sie, die eigentlich im Weg stehen. Viele Frauen stehen auf Männer in Anzügen. Ich stelle mir diese Männer immer in Muttis Frottischlafanzug vor, und schon sieht die Sache anders aus. Muss ich ja keinem erklären, dass man in einer Uniform schon gleich viel kompetenter und wichtiger aussieht. Auf mich macht die ganze Klamotte keinen Eindruck. Und was diese Leute beruflich auf die Reihe bekommen, macht auf mich auch keinen Eindruck mehr. Sicher ist das wichtig, aber es zählt etwas anderes.Die Wärme zählt.

Ich bin nämlich immer noch auf der Georgstraße. Und da steht er mit seinem 96 Cap und einem Schild in der Hand. Der ältere Herr sieht fröhlich und ausgeglichen aus. Er hatte mich wohl schon auf dem Hinweg gesehen, denn jetzt auf dem Rückweg sieht er mich an, lächelt und fragt: Hatten Sie eine nette Pause? Ich lächel zurück und beantworte ihm seine Frage und wünsche ihm einen schönen Tag. Er freut sich und wünscht ihn mir auch. Ich gehe weiter mit der Vorstellung einfach irgendeinen Anzugträger nach seiner Mittagspause zu fragen. Wie würde er wohl antworten? Ich mache es natürlich nicht. Aber das erinnert mich an gestern Morgen.

Ich bin nicht mehr auf der Georgstraße. Gestern Morgen fuhr ich auf dem Weg zur Arbeit bei meiner Bank vorbei, um etwas Geld abzuheben. Ich parkte, und vor mir stand ein VW Bus mit zwei Männern, die die Fensterscheiben putzten. Sie waren ca. 50 Jahre alt. Beide grüßten freundlich und erzählten im Spaß, dass sie schon lange kein Geld mehr bekommen würden, und ich bestimmt auch nicht. Als ich wieder auf der Straße war, kamen noch zwei bis fünf lustige Sprüche, und natürlich die besten Wünsche für den gerade begonnenen Tag.

Und somit wünsche ich auch allen Menschen da draußen einen schönen Tag.

1 Kommentar:

steuertusse hat gesagt…

die Natur ist echt was tolles! vor allem wenn man alleine ist, und auch jedes Geräusch wahr nimmt, wenn der Wind durch die Blätter fährt und das Laub zu Boden fällt *träum*

ich glaube ich muss mal wieder in den Wald....