Sonntag, Oktober 07, 2007

Glaube ich eigentlich?

Auf der Suche nach einem Foto wühlte ich heute im Keller meine Kisten durch, und entdeckte was ganz anderes. Mein Konfirmationsheft. Neugierig blätterte ich das Heft durch, und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Lauter lustige Malereien, die in mir aber eine wichtige Frage aufkommen lassen. Glaube ich eigentlich an Gott?


Im Kindergarten und in der Grundschule hatte ich eine Kinderbibel. Dort wurden mir die Geschichten von Weihnachten, Ostern und Pfingsten erklärt. Als Kind kann man eh nicht viel damit anfangen und lernt das einfach mal. Die Geschenke sind interessanter. Schon ziemlich schnell nach der Grundschule gab es keinen Religionsunterricht mehr, stattdessen Werte und Normen. Dieser Unterricht hatte dann nicht mehr viel mit Jesus, Moses, Lukas und Johannes zu tun. Dort wurden aktuelle gesellschaftliche Themen erklärt und besprochen. Dann kam die Konfirmationszeit, denn mit 14 ist man in der Kirche so gut wie Volljährig, und kann sich jetzt für oder gegen die Kirche entscheiden. Auch ich bestätigte meinen christlichen Glauben mit dem Glaubensbekenntnis. Damals natürlich immer das Geld im Kopf. Heute würde ich mich schämen, und alles überdenken. Aber damals wurde jeder konfirmiert. So zog ich die Sache durch, aber beeindruckt hat mich die Kirche nie. Vielleicht lag es auch am Gebäude, denn einen Eindruck hinterlässt bei mir nur wirklich etwas was mich berührt. Unsere Kirche war fast ein Gemeindesaal. Es war eine Qual, jeden zweiten Sonntag zum Gottesdienst zu gehen. Mein einziger Vorteil war, dass die Kirche zwei Minuten von unserem Haus entfernt war. Die Lieder fand ich immer alle sehr traurig, und die etwas fröhlichen sehr komisch.



Jetzt war ich also getauft und konfirmiert. Dann war ich eine ganze Zeit lang nicht mehr in der Kirche. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich auch warum. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass mir alte Geschichten aus der Bibel helfen sollen. Sie beeindruckten mich so wenig wie die Orgelmusik. Mir machen noch heute Geschichten aus der Gegenwart oder der gerade vergangenen Zeit Mut. Bis zu dem Tod meines Vaters habe ich mir im erwachsenen Alter auch nie über einen Gott Gedanken gemacht. Ich glaube, dass da irgendwas ist, aber was kann ich nicht sagen. Als Kind habe ich jeden Abend im Bett mit meiner Mutter gebetet. Das typische Kindergebet:

Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein. Amen

In wirklich ernsten Situationen, die meine Familie betreffen , formuliere ich immer etwas gedanklich. Manchmal fast flehend. Und einen Satz sage ich immer wieder, damit ich hinterher ein gutes Gewissen haben kann. Glaube ich somit an Gott? Kann ich nur an mich glauben, wenn ich christlich bin?

Seit ich Yoga mache beschäftige ich mich auch mit dem Buddhismus. Viele Sachen sagen mir zu, aber nicht alle. Als ich im Jahr 2001 seit langer Zeit mal wieder in Bayern war, besuchte ich nach langer Zeit eine Kirche. Ich war beeindruckt und gerührt zugleich. Ich spürte etwas wie Ehrfurcht und Respekt. In Wien steigerte sich das ganze dann noch einwenig. Ich besuchte in Hamburg den Michel, und dort wurde klar, dass ich irgendwann auch kirchlich heiraten will. Als ich im Jahr 2005 mit einer Freundin nach Oberstdorf fuhr, wanderten wir sehr viel. Dort erklärte sie mir den Kreuzweg mit den 12 Stationen am Wegesrand. Wir besuchten die kleinen Kapellen, und ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr.



Was soll ich sagen? Glaube ich? Sicher werde ich an irgendwas glauben. Aber ich lasse mich wie immer nicht auf nur eine Sache ein. Ich bin nicht total evangelisch. Wie sagt man heute: Patchwork.


Bemaltes Konfirmationsheft


Langeweile


Haha, mein einzigster Pulli dieser Art. Hip Hop hören und diesen Pulli tragen...Wie geht das? Aber ich habe damals ja auch Depeche Mode + Hip Hop gehört. Diese Rechnung von 1990 habe ich im Heft gefunden. Kann ich den noch umtauschen? hihi

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