Samstag, Januar 05, 2008

Mein bester Freund kommt aus Kenia,...



...und seine Familie wohnt noch in Mombasa. Vor 15 Jahren hat Twahir Ahmed seine Frau in einem Ferienhotel in Kenia kennengelernt. Er liebte sie wirklich so sehr, dass er mit nach Deutschland kam. Natürlich nicht sofort. Ich lernte Ahmed sieben Jahre später im Sheraton kennen. Wir waren Arbeitskollegen an der Rezeption. Wir wurden bald die besten Freunde. Jetzt ist er geschieden. Unsere Familie in Deutschland mögen sich auch sehr. Meine Mutter sieht ihn schon fast wie einen eigenen Sohn. Eigentlich wäre er der perfekte Mann für mich, doch diese Freundschaft ist zu vertraut und schön um eine Liebesbeziehung einzugehen.

Eben waren wir wie so oft im Kino. Ahmed ist mein Kinopartner. Nach dem Kino schlenderte wir noch im Bahnhof rum, als er mir ganz aufgeregt seine Fotos vom letzten Besuch in Kenia vor ca. 1,5 Monaten zeigte. Es waren mindestens 150 Bilder. Plötzlich wurde er ganz nervös und zog mich in die Reisebank im Bahnhof. Dort kauft er immer eine Telefonkarte, um seine Familie in Kenia anzurufen. Dies passiert aufgrund der aktuellen politischen Situation in letzter Zeit oft. Heute hat sein Neffe Geburtstag, und ich soll ihm auch gratulieren. Die eigentlich fremden Menschen in der Ferne kennen mich. Genauso wie ich sie kennen. Fotos und Erzählungen können in dieser Zeit doch irgendwie verbinden.

Er wählte eine Nummer mit 34853945834 Ziffern. Endlich nahm jemand ab. Ahmed wurde ernst und guckte etwas beunruhigt in die Leere. In Kiswahili stellte er schnell einige Fragen. Ich habe noch nie in meinem Leben so gebannt auf die Lippen eines Menschen gestarrt. Natürlich habe ich kein Wort verstanden, aber ich versuchte etwas aus seinem Gesichtsausdruck deuten zu können. Um die aktuelle Lage abzufragen und seinem Neffen zum Geburtstag zu gratulieren hatte er 13 Minuten Zeit. Das ganze für fünf Euro. Aufeinmal bekam ich den Hörer in die Hand gedrückt. Ich gratulierte schnell auf englisch, als das Telefonat plötzlich schon vorbei war.

"Gott sei Dank" waren die ersten Worte, die Ahmed rausbrachte. Fragend blickte ich ihn an, und so begann er zu erzählen:
Seine Familie wohnt in der Innenstadt von Mombasa. Dort ist es noch sehr ruhig, und es besteht keine Gefahr. Sein Onkel wohnt aber etwas außerhalb von Mombasa auf dem Land, und da sieht es schon ganz anders aus. Gestern wurden Steine in sein Haus geworfen. Zum Glück ist die Familie aber kurz vorher in die Stadt geflüchtet, weil sie so etwas wohl schon vermutet haben. Die Armen in Kenia haben nur auf diese Gelegenheit gewartet, um dann diese Häuser zu plündern.

Da bemerkt man doch ziemlich schnell, wie klein die Erde ist . Ahmed ist jetzt seit 7Jahren mit einer meiner engsten Freunde, und seine Familie ist mir ans Herz gewachsen. Da sprach ich eine halbe Minute mit seinem Neffen in Mombasa. Das Land mit dem Bürgerkrieg. Aufeinmal ist alles ganz nah.

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