Donnerstag, Januar 24, 2008

Sehr geehrter Herr Wulff,

natürlich haben Sie keine Zeit für Einzelschicksale, aber Kleinvieh macht eben auch Mist. Es ist Ihnen wahrscheinlich auch völlig egal, was einzelne Wähler von Ihnen halten, weil da stehen Sie ja drüber. Da geht die TUI mal eben nach Hamburg. Aber wenn es das nur wäre. Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, fahre ich bei Herrn Schröder vorbei und sehe Ihre riesengroße Plakate. Da steht sowas wie " Für Bildung" oder "Für Arbeitsplätze" drauf. Und jedesmal habe ich eine verdammte Wut.

Und nun hören Sie mal genau zu:

Im Jahr 2000 hätte ich nach meinem Vater auch fast meine Mutter verloren. Sie wurde schwer krank, und die Ärzte gaben ihr noch 2 Monate. Meine Mutter hat es aber geschafft, und lebt nun mit einer chronischen Erkrankung, die sie alle 6 Wochen untersuchen lassen muss. Ab 2000 bekam sie eine Erwerbsunfähigkeitsrente, die sie alle zwei Jahre neu beantragen musste. Um rechtliche Hilfe zu bekommen trat sie in den Sozialverband Deutschland ein. In dem Zeitraum des Wartens musste sie sich bei der Agentur für Arbeit melden, die ihr dann Arbeitslosengeld zahlte. Die Rentenversicherung ließ sich dann nur 5 Monate Zeit um die neue Rente zu bewilligen. Natürlich ist dann irgendwann der Anspruch auf Arbeitslosengeld I erloschen. Was sind schon 5 Monate?

Nach sechs Jahren Zahlung der Rente war dann aber Schluss. Meine Mutter bekam aufeinmal keine Rente mehr. Sie widersprach sofort,und musste wie IMMER zu mehreren Amtsärzten, die sie nach Altersdemenz! untersuchten. Von der Untersuchung bis zum Bescheid der erneuten Ablehnung zur Rentenzahlung dauerte es über ein Jahr. Natürlich hat man auch kein Anspruch auf das Hartzgeldchen, da ja ein Freund mit im Haus wohnt. Also musste sich meine Mutter selbst krankenversichern. Das kostet ja auch nur über 100 Euro. Herr Wulff was machen schon 100 Euro weniger im Monat aus.
Außerdem muss man ja auch sein ganzes Gespartes ausgeben, bis man dann wieder einen Anspruch auf irgendwas hat. Meine Mutter jobbte natürlich auch, aber das ist Ihren Ämtern ja völlig egal. Keiner fühlte sich zuständig für meine Mutter. Ach, ich habe noch etwas vergessen. Beim der letzten Amtsarztuntersuchung wurde die Akte meiner Mutter nicht aufgefunden. Die Rentenversicherung in Berlin wartete über ein halbes Jahr auf die Unterlagen. Das macht doch alles nichts. Herr Wulff ich freue mich wenn es weiterhin so gut mit Ihnen klappt hier in Niedersachsen.

Es ist schon beachtlich, dass die Rentenversicherung einfach die Bezüge einstellt, und einer 56jährigen Frau , die kurz vor dem Tod stand einfach ohne jegliche Informationen auf den Arbeitsmarkt schickt. Meine Mutter würde sehr gerne wieder arbeiten, aber nach sieben Jahren ist das nicht einfach. Wissen Sie Herr Wulff, in diesen sieben Jahren ist die Zahntechnik sehr weit fortgeschritten. Gerne würde meine Mutter eine Fortbildung besuchen, aber so ohne jegliche Bezüge.... So schnell kann man abrutschen Herr Wulff. Sie sind ja gesichert, und sichern dann sicher noch mehr die Gesicherten.

Durch meine Umschulung wusste ich, dass es sowas wie ein Berufsförderungswerk gibt. Dort habe ich angerufen und um Rat gebeten. Jetzt stellen Sie sich das mal vor: Die Rentenversicherung muss meiner Mutter eine Wiedereingliederungsmaßnahme in die Arbeitswelt anbieten. Na bravo! Damit rückt der Staat ja nicht so einfach raus, da müsste ja wieder gezahlt werden. Oder wie erklären Sie das?
Bis die Unterlagen dann ankamen vergingen auch noch ca. drei Monate. Der Knaller ist aber, dass in dem Gutachten des Amtsarztes folgendes steht: Frau K. kann 6 Stunden, 5Tage in der Woche in ihrem alten Beruf tätig werden. Mindestens 8 Ansprechpartner, die meine Mutter alle sehr genau mit Datum protokolliert hat, haben alle keine Ahnung von dem Fall. Jeder schiebt die Akte weg. Wie kann das sein? Meine Mutter möchte gerne arbeiten. Sie will Fortbildungen und eine Anstellung in ihrem Beruf. Sie hat bei einem namenhaften Zahnarzt gearbeitet, der dann im Jahr 1998 oder 1999 in Rente ging. Nun sagt ihr die Rentenversicherung hier in Hannover, dass sie nur noch bedingt ihren Job ausüben könnte, und das Gutachten ihrer letzten Untersuchung nicht aufzufinden wäre.

Herr Wulff so bekommt man die Arbeitslosenquote nicht gesenkt. Ich habe wirklich große Angst um meine Mutter. Würden Sie sich über diese Behandlung nicht auch aufregen? Aber was rege ich mich auf. Sie sind ja auf der sicheren Seite, und Einzelschicksale kann man ja immer belächeln.

Kommentare:

Hexe hat gesagt…

Richtig so, schickst du den auch per Post ab?

silli hat gesagt…

per mail. gelesen wurde es. das freut mich schon einmal.

Hexe hat gesagt…

nicht schlecht :-) wenigstens sagt mal einer seine Meinung :-) find ich gut!

silli hat gesagt…

hat wenig mit meinung sagen zu tun, sondern eher mit ratlosigkeit. wäre das alles nciht passiert hätte ich es nicht getan ;)