Freitag, August 28, 2009

Ruhige Popmusik in Ballermannatmosphäre

Es kribbelt gewaltig in den Fingern, wenn ich an Dienstag zurückdenke. Noch nie hatte ich so eine komische Begegnung mit der Musik wie Anfang dieser Woche. Bisher besuchte ich nur kleine bis mittelgroße Konzerte, und war damit immer sehr zufrieden bis zutiefst befriedigt. Doch das jüngste Erlebnis hat mich kurze Zeit völlig aus der Bahn geworfen. Ich befürchtete nichts mehr fühlen zu können. Meine Emotionen haben sich verabschiedet, und zuletzt habe ich überlegt, die Liebe zur Musik verloren zu haben. Sowas geht doch nicht!!! Wie soll sowas auch funktionieren. Flop, ich mag keine Musik mehr. Blödsinn! Markus Kavka schrieb in seinem Buch „Hamma wieder was gelernt: über das Erwachsenwerden“ etwas über eine Art von Ratlosigkeit, weil ihn keine Band mehr so richtig berührte. Es wird schwieriger neue Künstler zu finden, die ein großes Feuerwerk auslösen können. Aber Kavka ist doch 9 Jahre älter als ich, also darf ich mir über solche Sachen noch keine Gedanken machen. So stand ich zwischen 37 000 Menschen und fühlte mich etwas abgestellt, und fern ab von Musik und vorallem der Band. Die kleinen Legomännchen auf der Bühne nahm ich kaum war, da ich ständig versuchte auf die Leinwände zu starren, um überhaupt etwas von den Künstlern zu sehen. Klar, es gibt Menschen, die fünf Stunden vor Konzertbeginn in der ersten Reihe warten, aber das tue ich mir nicht an. Das habe ich noch nie gemacht, und werde es auch nie machen. Vielleicht war es auch etwas naiv von mir, ein großes Konzert mit einem kleinen zu vergleichen...ach, was soll ich sagen...neben mir saßen zwei Frauen, die sind das ganze Konzert nicht aufgestanden und haben nicht mal geklascht. Die alten Radiohits wie "Clocks" und "In My Place" kamen gleich zu Anfang, und die Masse war so überrascht, dass es betreten still war. Einige Lieder, die für mich in einer besseren neueren Version gespielt wurden, wurden gar nicht erkannt. Ich sang genau bei diesen Liedern aus vollem Halse mit. Irgendwie aus Protest. Dafür setzte ich mich bei "Viva La Vida" hin. Wieder aus Protest. Denn wenn aufeinmal die komplette Masse aufspringt und mitgröllt, hat das für mich Ballermannatomsphäre. Vielleicht bin ich doch noch nicht so erwachsen wie ich denke. Ich mache noch etwas aus Protest. Juhu! Aber im Ernst: Geben die Alle nicht wenig Geld für eine Karte aus, um nur bei 3 Liedern richtig mitfühlen zu können??? Warum empfinden die meisten Menschen (nehme ich jetzt mal so an) diese Massenkonzerte als die ultimativen Eregnisse?
Eigentlich mag ich diese Band, weil sie mich immer beruhigen kann. Zwei Prüfungen habe ich mit dieser Musik überstanden.
Am Dienstagabend kam ich nach Hause, und erst eine Stunde nach dem letzten Ton kullerten die Tränen.